Vom Futter zum Tier zum Burger

Michael Pollan: The Omnivore’s Dilemma (Das Omnivorendilemma)

Michael Pollan macht sich auf den Weg hinter die Kulissen unserer Nahrung. Er verfolgt die Entstehung von vier Mahlzeiten zurück zu ihrem Ursprung. Dabei regt er auf vielseitige Weise zum Nachdenken über Essen an, und über die Herstellung und Beschaffung von Nahrungsmitteln.

Pollan beginnt seine Erkundungstour mit einem historischen Exkurs zu der Rolle die Mais in der modernen Ernährungsindustrie spielt. Vom Mais kommt er auf Futtermittel zu sprechen, und verfolgt so schrittweise den Weg vom Futter zum Tier zum Fast-Food-Burger.

Für Zartbesaitete ist dieses Buch nichts, denn dafür geht Pollan zu sehr ins Detail. Und doch ist es so, dass Pollan es zu keinem Zeitpunkt darauf anlegt, gezielt zu schocken oder einen Aufschrei zu provozieren. Viel mehr beobachtet und beschreibt er sehr genau, und spickt seine Erzählung mit persönlichen Schlussfolgerungen und Denkanstößen.

Er folgt der Entstehung eines Hamburgers aus dem Fastfoodrestaurant genau so akribisch, wie er einige Kapitel später untersucht, ob es vielleicht noch eine andere Alternative zu „bio“ gibt. Nebenbei lässt er sich unter anderem zur Farmarbeit hinreißen, dem Pilzesammeln, und der Jagd.

Immer erläutert er dabei nicht nur WIE Tiere gehalten werden, oder unter welchen Bedingugnen sie geschlachtet werden. Vielmehr setzt er noch früher an: was essen sie, und vor allem, wie (nachhaltig) entsteht das Fressen der Tiere?  Denn schließlich, wirft er ein, „the species of animal you eat may matter less than what the animal you’re eating itself has eaten.”

Pollan macht nicht bei der Beschaffung von Essen halt, sondern geht zusätzlich auf die Zubereitung und das Einnehmen von Mahlzeiten ein. Er zelebriert Kochen und gemeinsames Essen unter Freunden oder mit der Familie. Hier schweift er in philosophische Gefilde ab und beruft sich auch auf anthropologische Erkenntnisse zu der Rolle gemeinsamer Mahlzeiten in verschiedenen Gesellschaften. Wiederholt untersreicht er dabei „the cultural process of eating and dinner conversation“.

Neben dieser Abwechslung fällt außerdem ungemein angenehm auf, dass Pollan trotz der Brisanz des Themas nur sehr leicht mit der Moralkeule winkt. Man muss nicht mit all seinen Ansichten übereinstimmen, und er selbst fordert den Leser wiederholt dazu auf, sich eine eigene Meinung zu bilden, und seine Anmerkungen nicht unverdaut zu akzeptieren.

Hinweis: Diese Rezension erschien vor einigen Jahren bereits auf meinem Buchblog Lesemanie.

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